Der Chef am Volkmarsberg droht hinzuschmeißen

Weshalb Andreas Ludwig die Anforderungen des Landratsamtes bei der ehrenamtlichen Bewirtschaftung durch Vereine zu weit gehen.

Andreas Ludwig ist Vorsitzender des Bewirtschaftungsvereins für die Volkmarsberghütte. Die Anforderungen, die das Landratsamt für die Bewirtschaftung von ihm fordert, gehen ihm zu weit. Foto: hag

Der Schwäbische Albverein bewirtschaftet bekanntlich auf dem Volkmarsberg die Hütte. Der Oberkochener Hausberg ist an den Wochenenden regelmäßig ein bevorzugtes Ziel zahlreicher Wanderer und die nutzen gerne das Angebot des örtlichen Albvereins in der Hütte.

Doch jetzt ist die Freude über den regen Besuch getrübt. Zumindest beim Vorsitzenden. Andreas Ludwig klagt über eine Regelung, die ihn über sein Amt nachdenken lässt. Die Gaststättenerlaubnis ist an seine Person geknüpft.

„Es geht um die Bewirtschaftung der Hütte“, erklärt Albvereinsvorsitzender Ludwig. Er ist derzeit kraft Amtes gleichzeitig auch der Vorsitzende des Bewirtschaftungsvereins Volkmarsberghütte. Und in dieser Funktion hat sich auch das Landratsamt des Ostalbkreises an ihn gewandt. Das Amt hat seine Verwaltung auf die „elektronische Akte“, kurz E-Akte, umgestellt. Dabei habe das Amt festgestellt, dass der Ansprechpartner in den vergangenen Jahren gewechselt habe und fordert nun diverse Unterlagen vom Vorsitzenden. Dazu zählen ein polizeiliches Führungszeugnis, eine Auskunft aus dem Gewerbezentralregister, ein Unterrichtungsnachweis oder eine Kopie des Gesellen- oder Meisterbriefes im Bereich Lebensmittel. „Gerade Letzteres kann ich nicht nachweisen“, sagt Ludwig, der im „normalen Leben“ eben kein Koch oder Gastronom sei.

Was ihm vor allem aufstößt, ist die Auskunft aus dem Schuldnerverzeichnis des Vollstreckungsgerichts Karlsruhe. „Ich bin ein unbescholtener Bürger, habe immer meine Rechnungen und Steuern bezahlt“, sagt er. Das gehe allerdings niemanden etwas an, findet er.

Das alles werde verlangt, weil der Verein auf der Hütte neben nicht alkoholischen Getränke auch solche mit Alkohol, wie ein Glas Wein oder Bier ausschenke.

Doch deswegen sei die Volkmarsberghütte noch lange ein von Ehrenamtlichen getragenes Vesperlokal. Die Vereinsgaststätten würden mit dieser Regelung und den Anforderungen den Gewerbebetrieben gleichgestellt. „Das darf nicht sein.“ Bei den Vereinen laufe schließlich alles ehrenamtlich; der Profit spiele keine Rolle.

Wegen der vielen Vorschriften und Auflagen denkt Andreas Ludwig inzwischen darüber nach, das Amt des Vorsitzenden abzugeben. „Ich bin nicht gewillt, solche Auskünfte über mich freizugeben – auch wenn ich nichts zu befürchten habe“, sagt der Albvereinsvorsitzende. Das greife doch zu sehr in seine Privatsphäre ein. Als ein Mensch, der sich nichts zuschulden habe kommen lassen, sei er dennoch der Ansicht, eine Steuerbescheinigung und die Auskunft aus dem Schuldnerverzeichnis des Vollstreckungsgerichts in Karlsruhe habe rein gar nichts Zwingendes mit dem Antrag für eine Gaststättenerlaubnis zu tun.

„Ich bin nicht gewillt, solche Auskünfte über mich freizugeben – auch wenn ich nichts zu befürchten habe.“ (Andreas Ludwig, Albvereinsvorsitzender)

Beim Landratsamt in Aalen sieht man das etwas anders. So widerspricht Gerd Hüll, zuständig fürs Gaststätten- und Gewerberecht beim Landratsamt des Ostalbkreises, den Argumenten des Vorsitzenden von Albverein und Bewirtschaftungsverein. Sachgebietsleiter Hüll betont, dass die Vereine, die eine Schankerlaubnis hätten, in der Regel auch die entsprechenden Auskünfte erteilten.

„Es gibt dabei üblicherweise keine Probleme“, sagt er und fügt an: „Wir haben den Schwäbischen Albverein nun aufgefordert, die Daten zu aktualisieren, weil im Vorsitz bereits vor geraumer Zeit ein Wechsel stattgefunden hat.“ Da müsse der Verein jetzt e mindestens einen neuen Zuständigen benennen. „Das ist in keiner Weise an eine einzige Person oder gar an den Vorsitzenden gebunden“, versichert Hüll und fordert unter anderem grundsätzlich ein Führungszeugnis und eine Auskunft aus dem Schuldnerverzeichnis ein. „Beides dient auch dem Schutz des Vereins.“ Zudem müsse man ihm einen Nachweis über einen IHK-Kurs zum Lebensmittel- und Hygienerecht vorlegen. Der wiederum diene zum Schutz der Konsumenten, also der Gaststättenbesucher.

Der Forderung von Andreas Ludwig auf eine Sonderregelung erteilt der Sachgebietsleiter eine deutliche Absage. Die Gaststätte von Vereinen könne man nicht mit den Besen- oder Straußwirtschaften gleichsetzen. „In diesen werden nur selbst hergestellte Produkte wie Wein oder Most ausgeschenkt – und dazu passende regionale Speisen verkauft und verköstigt“, begründet Hüll seine Haltung. Ihm bleibe keine Wahl; es zähle zu seinen Pflichten, auf die entsprechenden Unterlagen für die Bewirtschaftung der Volkmarsberghütte zu bestehen.

Mit dieser Aussage Hülls will Andreas Ludwig sich allerdings nicht zufriedengeben. „Ich erwarte nach einem Brief, den ich an den Sachgebietsleiter geschrieben habe, nun ein persönliches Gespräch. Nicht unbedingt ich alleine mit Gerd Hüll, sondern vielmehr gemeinsam mit meinen Kollegen aus dem gesamten Vereinsvorstand“, betont Andreas Ludwig.

Ulrike Schneider, Schwäbische Post

 


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